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Aus bestem Holz geschnitzt – Buch zum Brauchtum, mit Senntumsschnitzerin Emmi Meier-Bruderer

Aus bestem Holz geschnitzt – Buch zum Brauchtum, mit Senntumsschnitzerin Emmi Meier-Bruderer

Senntumsschnitzerei ist ein Kunsthandwerk, eine Volkskunst. Das neue Buch «Senntumsschnitzerei im Appenzellerland und im Toggenburg» von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz, befasst sich mit dieser Volkskunst und stellt unter anderem 15 Holzschnitzende und ihre Werke vor. Es handelt sich um Schnitzende, die selber in der einheimischen Landwirtschaft tätig sind oder tätig waren. Erfreulicherweise ist tatsächlich auch eine Senntumsschnitzerin dabei: Emmi Meier-Bruderer aus Hundwil.

«Jedes aus Lindenholz geschnitzte Senntum ( Alpfahrt) von mir besteht aus 43 Figuren, Tiere und Menschli»., erklärt Emmi Meier. Sie verzichtet dabei auf die Ledi zugunsten von Gemplerpferden. «Emmi Meier hat ein feines Gespür für das einzelne Objekt und gleichzeitig für dessen Einbettung in das Ganze einer Alpfahrt», schreibt Hans-Rudolf Merz. Aufgewachsen ist die Kunsthandwerkerin und Bäuerin in Schönengrund, wo sie auch die Schulen besuchte 1968 heiratete sie den Hundwiler Landwirt Emil Meier. Gemeinsam betreibt das Ehepaar ein Anwesen im Flecken, einem Ortsteil östlich von Hundwil. Meiers haben drei Kinder.

Emmi Meier begann 1988 mit der Schnitzerei. Anlass war wohl der Chlausenhut von Sohn Emil. Der Hut sollte unbedingt mit Szenen aus dem bäuerlichen Alltag verziert werden. Emmi Meier versuchte also erste Schnitzschritte, aber bald wollte sie mehr, nämlich Erfahrungen und praktisches Arbeiten in diesem Kunsthandwerk sammeln. Sie besuchte einen Schnitzkurs bei Hans Haas in Herisau. Und fortan fand sie immer mehr Gefallen an ihrem Hobby. Zuerst wurden ihre Arbeiten, beispielsweise als Preis für die besten Zuchterfolge der Wattwiler Bauern anlässlich deren Viehschauen überreicht. Das ermunterte sie auch, für Privatpersonen zu schnitzen. Und von Zeit zu Zeit stellt sie ihre Senntümer in einem Museum aus, wie gerade jetzt im Appenzeller Brauchtumsmuseum in Urnäsch oder zeigt sie an Ausstellungen.

«Der Stil der Senntümer von Emmi Meier ist ebenso harmonisch wie individuell, denn trotz Schablone, behält jedes Stück Vieh und jede Figur ihre Eigenheit in Bewegung und Körpermass», sagt. Hans-Rudolf Merz. Emmi Meiers Schnitz-Atelier präsentiert sich keineswegs auf alltägliche Weise. Auf dem Stubentisch richtet Emmi Meier jeweils ihre Schnitzwerkstatt ein, mit allem was sie zum Schnitzen braucht. Hauptschnitzzeit ist während der Wintermonate, wenn nicht so viel bäuerliche Arbeit anfällt. In der Sommerzeit gibt es auf dem Hof mehr zu tun, dann schnitzt Emmi Meier je nach Zeit, Lust und Laune.

«Da ich nicht gut zeichnen kann, verwende ich bei meiner Arbeit Schablonen», sagt sie. Sie legt die Schablonen aus Karton aufs Lindenholz und zeichnet die Konturen von Kühnen, Kälbli, Rössli, Geissli und Menschli und anderes nach. Draussen im Stall sägt ihr Mann Emil die groben Umrisse der einzelnen Figuren mit einer Bandsäge aus. Den sogenannten Rohlingen gibt Emmi Meier mittels Kurzklingen-Schnitzer und anderen Werkzeugen, wie Teppichmesser, die endgültige Form. «Ich mag Kühe besonders gerne, am liebsten sind mir die runden, dicken, braunen, ruhigen», schwärmt Emmi.

Ist die Schnitz-Arbeit getan, folgt nun der farbige Teil, das Bemalen der einzelnen Figuren. Das geschieht detailgetreu. Die Sennen erhalten ihre gelben oder braunen Hosen und ihre schmucken, roten, bestickten Westen, ihren Silberschmuck und ihre originellen schwarzen Hüte, mit allerlei Zierrat versehen. Die braunen Kühe tragen Metallketten, einige natürlich auch Senntums-Schellen. Den Anfang der Alpfahrt macht der Geissbueb mit einer ganzen Reihe weisser Geissli. Und natürlich darf der Bläss nicht fehlen. Am Ende folgen dann die Gemplerpferde. Emmi Meiers Senntum ist nun mit 43 Figuren vollständig.

«Senntumsschnitzerei im Appenzellerland und im Toggenburg» von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz ist im Appenzeller Verlag, Schwellbrunn erschienen. ISBN 978-3-85882–826-2

Bild: Emmi Meier-Bruderer

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